Christian Filips, born in 1981 in Osthofen near Worms, lives as a poet, playwright and performer in Berlin. Between 2000 and 2007 he studied in Vienna and Berlin. In 2001 he received Austrian Radio´s Rimbaud price for his first poems. From 2001 to 2003 he held a position as dramaturge at the Dance Theatre of the Staatstheater Darmstadt. Since 2006 he has worked as a program and archive manager of the Sing-Akademie in Berlin. In the same year he founded the Choral Society, a workshop for poets, composers and singers. Since 2010 he has been publishing the"rough books” along with Urs Engeler. In 2012 he received the Heimrad-Bäcker Award for experimental poetry. He currently works for the theater and increasingly performs as a singer and performer (among others for the Maxim Gorki Theater and the UDK Berlin, in collaboration with Jens Harzer, Hanna Schygulla, Sophie Rois and Lautten Compagney Berlin). Additionally Filips translates primarily from English, Dutch and Italian (Pasolini, Prynne, Bogaert).

Heiße Fusion mit Algorithmensch

Komm für die Nackten, bleib für die Geister.
Kummer, Tritte aus dem Schimmer, Schirme
Come for the nudes, stay for the brains.
Komm für die Akte, bleibe fürs Gehirne.
Gehirn, komm. Protokoll von: Bleib am Leiberl.
Come for the record, stay for the pains.
Die Nackten, steh die Pein, verbleibe, faktisch
Plusquam-Rekorde. Schmerzkomfort, come for
the Nuckel, stay for Schwanz, Bandscheibe - saß das?
Zu lang! Komm, schwitz den Satz, komm in die Cam
fürs Protokoll, noch einmal, einmal ganz: Komm,
cum fürs Protokoll, Gehirn zu bleiben, Schatzi.

Heischesatz zur Klarheit

Da auf der lauernden, der weißen Strecke,
wo die Klarheit offen, so feindlich offen
und ertappt liegt: Die Klarheit des Begriffs
Klarheit begreifen, wie wenn sagen wir wäre
ein weites Feld, wie wenn sagen wir wäre
verschneit, wie wenn klar wäre auch
aus großer Distanz: Da liegt ja mein Blick
und er ist und blickt so freundlich fremd
da auf der ausgestreckten, weißen Lauer.

Heiße Fusion beim Gipfeltreffen

Im Anfang a begging, ein Betteln
um Neustart: Neustart! Neustart!

Schon hechelten, sehr müde,
die vielen Versprechen herein.

so fangets an mit vilem kies
mit czeneklappern kriselend

Das schafften sie, da schauten sie
sich tief in die Augen, ein paar

vom Staatsgeld am Leben
erhaltene Sterne, schon werde,

wie kein Auge je –
gesehen, leuchten das All, zwar

sei der Verkauf von Galaxien
noch immer reguliert, jedoch

die Zukunft heiße Sternenmarkt,
der Gipfel sei nur Liebesmüh,

denn wozu noch die Berge,
die im Aufstieg schmerzten,

erklimmen, wozu Schleppen
durch all die laufenden Verluste, wenn

der Kosmos offen stehe und bereit
zu weitaus größeren Investments sei,

das Raumschiff auch erfunden usw.
Da aber grimmer criscramôn!

leibhaftig zwei schlingernde Banken,
Hand in Hand, mit einem Satz

vom höchsten Gipfeltreffen,
sehr innig aneinander in die Tiefe

sprangen. O ihr abstoßendsten
unter all meinen Firmentöchtern!

Eure Anzeichen verdichten sich.
Ihr wisst, es hilft nicht mehr,

in einem Jet auf ein Atoll verschwinden.
Nein, nein, eheu! Auch dort.

Auch dort. Das All steht Euch
nicht offen! Ich, die Erde,

armer Mutterkonzern,
sag Euch dieses, weine leis

reinstes Gold, Gold, Gold
und Gold. Die schönste Geldanlage

ist meiner Tränen Gold allein.
Doch kann ich mir da sicher sein?

Im Anfang a begging, ein Betteln
um Neustart: Neustart bitte!