Das Projekt

“Buh-boom
Went the drum
Bass came in between
Clack! Clack!
Hit the hat
Then came a dream …”

Dieser Ausschnitt aus dem Gedicht Boomtwenth zeigt nicht nur die Vielseitigkeit des reimenden, rappenden, geschichtenerzählenden und beatboxenden Dichters Checkmate Mido aus Nairobi. Er spiegelt auch den Reichtum der Spoken Word-Szene Nairobis. Sei es Swahili Lyrik, Spoken Word, Slam Poetry oder Rap – die zeitgenössische urbane Dichtung boomt in Nairobi. Die zahlreichen Lyrik-Veranstaltungen in der kenianischen Hauptstadt mischen Spoken Word und HipHop, Improvisation und Freestyle, Literatur, Musik, Tanz und bildende Kunst. Oftmals unterstützen Sänger, Beatboxer, Instrumentalisten oder DJs die Auftritte der Dichterinnen und Dichter. Neben der offiziellen Sprachen Englisch und Swahili reimt die jüngere Generation auf Sheng, einem kreativen Slang, der vor allem in den städtischen Regionen Kenias immer mehr an Einfluss gewinnt.

„weiter am fluss. aus den spielzimmern folgen

wollmäuse, wachsen, erobern

den himmel als wolken, drücken auf das wasser.

dort fliehen gespenster von alten erziehern

vor einer schwarzen gang in nachtkapuzen.

silberne spangen halten das mondlicht fest.“

Dieses Zitat stammt aus Birgit Kreipes Gedichtzyklus „Kinderheim“. Über ihren ersten Gedichtband schönheitsfarm (2012) schrieb der Autor Armin Steigenberger: „Birgit Kreipes Texte sind für mich ein stilles Highlight. So überbordend und spleenig ihre Sprache auf der einen Seite ist, so zurückhaltend und reflektiert ist sie auf der anderen“. In Berlin jedoch finden Dichtkunst, Spoken Word und Rap noch in getrennten Welten statt.

SPOKEN WOR:L:DS nimmt die aktuellen Schwingungen von Nairobis Performance-Lyrik-Szene mit seiner großen Bandbreite an Stilen, Sprachen und Genres auf. Das Projekt verbindet Poesie, Spoken Word und Hip Hop in Nairobi und Berlin. Acht Dichterinnen und Dichter aus jeder der beiden Städte nehmen an dieser aktiven poetischen Begegnung teil. Zeitgenössische Stile der Performance-Lyrik in Kenia verbinden sich mit aktuellen Entwicklungen in der deutschsprachigen Poesie-Szene und umgekehrt. Im Transferprozess entstehen neue Stücke und Gedichte. Dabei möchte das Projekt dem Einfluss der globalen HipHop-Kultur mit ihren Verfahren des cut ‘n‘ paste, sampling, freestyling und DJ-ing auf die zeitgenössische Lyrik nachspüren und ihn weiter entwickeln.

Workshops
Die acht Künstlerinnen und Künstler aus den beiden Städten treffen in intensiven Workshops aufeinander, in denen sie ihre Stücke gegenseitig übersetzen, bearbeiten, adaptieren sowie miteinander arbeiten und sich austauschen. Beide Delegationen gehören je zwei Teilnehmenden aus den Kategorien Lyrik, Spoken Word und Rap an, dazu kommen je zwei Nachwuchskünstlerinnen und -künstler. Die ‘Übersetzung’ der Arbeiten der Kolleginnen und Kollegen erfolgt auf der Grundlage von Texten, Ton- und Videoaufnahmen sowie Live-Performances. Eine ‘Übersetzung’ kann dabei eine Aneignung, eine andere Form der Auseinandersetzung wie ein ganz neuer Text als Reaktion auf ein Stück oder eine Aufführung sein. Bereits die Transkription des eigenen Spoken Word Gedichts, das man einer Kollegin in Nairobi oder Berlin sendet, ist schon ein Akt des Übersetzens. SPOKEN WOR:L:DS zielt auch auf die Übersetzung über die Genregrenzen hinweg: Musikerinnen setzen sich mit den Texten von Dichtern auseinander, Dichterinnen werden mit Rap-Prinzipien konfrontiert. Die verschiedenen kulturellen Kontexte und Formen des Ausdrucks in beiden Städten sind für die Teilnehmenden in Workshops, Aufführungen und persönlichen Begegnungen erlebbar.

Kulturelle Bildung
Viele der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler sind in kulturellen und sozialen Bildungs-und Jugendprojekten engagiert, die oftmals auf der gemeinsamen ‘Sprache’ HipHop funktionieren. Rap ermutigt junge Menschen oftmals, sich mit Literatur auseinander zu setzen, einem Genre, das zu Unrecht jenseits des eigenen Horizont zu liegen scheint. Junge Menschen aus verschiedensten Stadtvierteln treffen in Nairobi and Berlin in workshops auf die teilnehmenden Künsterinnen und Künstler. Sie werden gemeinsam Stücke erarbeiten, performen und über Inhalte, Kontexte und Formen diskutieren.

Öffentliche Veranstaltungen
Konzerte, Lesungen, Performances und Gespräche finden in Nairobi vom 9. bis 15. November 2013 und in Berlin vom 5. Bis 12. April 2014 statt. Das Programm findet man in unserem Kalender.
Sie bieten Einblicke in die Poesie-, Spoken Word- und musikalischen Szenen der beiden kulturellen Sphären, in den praktizierten Kulturtransfer und den Austausch quer zu den Genres. Kenianische Dichtung wird zu deutschsprachigem Rap, Spoken Word aus Deutschland zu kenianischer Lyrik. Das Publikum kann so die kraftvolle Energie von Literatur, Sprache und Musik erfahren.

CD/Online Publikation
Aus dem Projekt entsteht eine CD ausgewählter Studioaufnahmen aus Kenya und Deutschland. Lyrik und Performances sind auch hier zu hören und zu sehen sowie auf unserem vimeo-Kanal.